Reiseberichte

Zahllose Seen, endlose Wälder, Rentiere, die hin und wieder den Weg kreuzen, Bären, die in der Gegend sein sollen, sich uns aber nicht zeigen. Wildnis in Dalarna abseits der Zivilisation. Noch wenige Kilometer bergauf, bis wir das urige Holzhüttencamp erreichen. Geführt werden wir von schwedischen Vegledare, Teilnehmern eines Vollzeitkurses Quality Friluftsliv Mentoring der Sjövik Folkhögskola in Folkärna. Kurz vorm Ziel führt der Weg über Holzbohlen durch sumpfiges Gebiet. Durch das Gewicht der Rucksäcke muss jeder Schritt sorgfältig gesetzt werden. Das Camp als einzigartiger Lernort liegt malerisch gesäumt von Bergweidenröschen und Heidekraut. Eine Woche lang trinken wir Wasser aus der plätschernden Quelle nebenan, waschen uns im eiskalten Bach ein Stück weiter, kochen und backen am offenen Feuer. Das schafft Verbundenheit zur Gruppe, sich selbst, den Elementen.

Ein Tag später. Eine Gruppe aus 6 künftigen Erziehern und Heilerziehungspflegern sowie 2 schwedische Vegledare sind unterwegs zum höchsten Gipfel der Gegend, dem Vedungsfjället. Die Füße versinken im moorigen Untergrund. Hier gibt es keine Wanderwege, nur endlose atemberaubende Weite. Die Richtung bestimmen Karte und Kompassnadel. Fünf Meinungen, wo der Weg langführen muss – am Ende einigen wir uns auf Englisch und gehen offenbar in die richtige Richtung. Die Schweden weisen darauf hin, dass der nächste Bachlauf die letzte Trinkwasserquelle vorm Gipfel sei. Sonst halten sie sich eher zurück und lassen die Gruppe agieren. Ein guter Biwakplatz wird gefunden, eine Feuerstelle errichtet. Bald kocht die vorher getrocknete Suppe und das selbst gebackene Brot wird geteilt. Selbst geschnitzte Schüsseln und Löffel kommen zum Einsatz. Zufriedenheit in den Gesichtern. Friluftsliv – einfaches Draußenleben. Dieses skandinavische Konzept der Naturverbindung hat eine lange Tradition und wird möglich durch das Allemannsretten, das Jedermannsrecht.